Tagebucheinträge

Seven Summits der Alpen - In 26 Tagen über 16.000 Höhenmeter

 

05.07.10. 08:00 Uhr, Holzkirchen, 691 m
Endlich geht es los. Ein Jahr Planung und Vorbereitung liegen hinter uns, das Auto ist vollgepackt und wir starten zu unserer Tour auf die sieben höchsten Gipfel der sieben Alpenländer. Unser erstes Ziel liegt ganz im Osten – Slowenien.

06.07.10, 14:00 Uhr, Planika Hütte, Triglav Nationalpark, 2.401m
Mit großer Gastfreundschaft hat uns Bled gestern empfangen. Die Slowenen sind sehr stolz auf ihren „Höchsten“, den Triglav. Jetzt sitzen wir nach einem heftigen Gewitter pudelnass nach einer zeitweise steilen, aber insgesamt leichten Wanderung auf der Planika Hütte. Spartanisch ist hier Unterkunft und Verpflegung und der steile Aufstieg ins Lager ist bestimmt gefährlicher als der Weg auf den Triglav selbst. Aber die Freundlichkeit der Hüttenleute macht das alles wett.

07.07.10, 13:00 Uhr, Triglav, 2.864 m
Unser erster Seven Summit! Trotz strahlender Sonne ist es auf dem Gipfel des Triglav ziemlich frisch, das bezeugt auch das große Schneefeld, dass sich hier oben auch über den Sommer hält. Im kleinen turmartigen Unterstand, der das Gipfelkreuz ersetzt, ist nur Platz für zwei, so dass wir lieber schnell wieder auf versichertem Steig den Rückzug antreten. Wir wollen heute noch bis nach Bled absteigen.

08.07.10, 18:00 Uhr, Heiligenblut, 1.288m
Der österreichische Seven Summit hat eine Überraschung für uns in Person der Chefin des Fremdenverkehrsamts von Heiligenblut parat. Die hat uns nicht nur komfortabel gebettet, sondern uns eben zu einem 5-Gänge-Menü in ihrem Restaurant eingeladen und für morgen früh schon das Taxi zum Glocknerhaus bestellt. Das Großglockner-Verwöhn-Packet sozusagen, da wehren wir uns nicht.

09.07.10, 14:30 Uhr, zwischen Salmhütte und „Adlersruh“, 3.454m
Die Route der Erstbesteiger oder besser „die Straße der Murmeltiere“ führt uns durch das endlos lange Leitertal auf dem Wiener Höhenweg nach oben. Wer gehört hat, Murmeltiere seien scheu, der wird staunen, wenn die kleinen Nager hier zum greifen nah über die steilen Grasflanken flitzen. Über den Gletscher und einen versicherten Steig kommt die Erzherzog-Johann-Hütte in Sicht. Die höchstgelegene Hütte der Ostalpen trägt den Namen „Adlersruh“ mit Recht.

10.07.10, 12:00 Uhr, Großglockner, 3.798m
Bereits um 6 Uhr morgens sind wir auf dem Normalweg übers Glocknerleitl aufgestiegen. Im Halbdunkel ist die im Moment sehr steile und apere Firnflanke eine Herausforderung. Auf dem scharfen Grat über leichtes Klettergelände stehen wir nun am Gipfel des höchsten Bergs Österreichs. Das eiserne Gipfelkreuz ist eine Kopie des Originals (das die Tourismus-Chefin von Heiligenblut im Museum hütet). Bei Temperaturen von über 20 Grad auf 3.000m fließt uns beim Abstieg der Gletscher unter den Schuhen davon. Von Stille kein Spur,  rauschendes Gletscherwasser begeleitet uns ins Tal.

13.07.10, 15:00 Uhr, Reintalangerhütte, 1.370m
Nach zwei verdienten Tagen Pause sitzen wir jetzt unter bunten Gebetsfahnen vor der Reintalangerhütte und kühlen unsere Füße in der Partnach. Wir haben uns mit 35 Grad wohl den heißesten Tag des Sommers für die Besteigung der Zugspitze ausgesucht.

14.07.10, 13:00 Uhr, Ostgipfel der Zugspitze, 2.962m
Zwischen Wolkenfetzen blitzt immer wieder das goldene Gipfelkreuz des höchsten Bergs Deutschlands in der Sonne - wir haben unseren dritten Seven Summit in der Tasche! Schon morgens konnten wir am Höllentalferner in dichtem Nebel kaum die Hand vor Augen sehen, doch einige Steinmännchen führten uns dann doch zum Ziel. Am Zugspitzplateau drängen sich unter uns die Besucher. Ein gutes Gefühl den höchsten Gipfel der Heimat zu Fuß und nicht mit der Seilbahn erreicht zu haben.

17.07.10, 11:00 Uhr, Liechtenstein, Malbun, 1.704m
Das Fürstentum Liechtenstein begrüßt uns mit feinem Nieselregen. Natürlich haben wir keinen ausgerollten roten Teppich erwartet, aber ein bisschen Sonne wäre schön gewesen. Schließlich kommt nicht sooft jemand auf die Idee, den höchsten Berg des kleinsten Alpenstaates zu besteigen. Sogar Heidi würde heute nicht auf die Alm gehen und in ihrer Hütte bleiben, die hier irgendwo in der Nähe sein muss.

17.07.10, 15:00 Uhr, Liechtenstein, Pfälzer Hütte, 2.111m
Endlich verziehen sich die Wolken und geben den Blick auf grüne sanfte Hügel mit einer überwältigenden Menge duftender Bergflora frei. Im Hintergrund die wilden Gipfel des Rätikons. Unser Ziel ist von hier aus nur zu ahnen. Nur wenige Wanderer sind unterwegs und von gezählten 1020 Einträgen im Hüttenbuch 2010 war niemand auf der vorderen Grauspitze, der Naafkopf ist hier (bis jetzt) das bergsteigerische Highlight!

18.07.10, 12:00 Uhr, Liechtenstein, Vordere Grauspitze, 2.599m
Unglaublich nach dem Regen gestern – aber wir stehen bei strahlendem Sonnenschein auf unserem 4. Seven Summit! Zuerst weglos über Wiesen, dann sehr steil bergauf bis zum Grat und durch Massen von Geröll, mit leichter Kletterei und zeitweise viel Luft unter den Sohlen zum höchsten Punkt, den wir beinahe verpasst hätten. Eher unscheinbar, aber überraschend alpin ist sie, die Vordere Grauspitze. Ihren Gipfel ziert ein Steinhaufen, in dem das Gipfelbuch versteckt ist. Unser Eintrag ist der erst der dritte in diesem Jahr…wir haben so ein Gefühl, dass es aber nicht der letzte sein wird.

21.07.10, 15:00 Uhr, Italien, Rifugio Vittorio Emanuele II, 2.732m
Unser Tagesziel riechen wir, bevor wir es sehen. Der verführerische Duft frischer Pasta zieht über die staubigen Serpentinen auf dem Weg zum Rifugio V. Emmanuele II. Der futuristisch anmutende Metallbau glänzt in der Sonne, dahinter glitzert schon den Gletscher. Der Empfang ist italienisch herzlich und nach einem großen Teller Bolognese steht nur noch „dolce far niente“ auf dem Programm. Haben wir uns verdient, denn wir wollen schon früh in der Nacht zum Gipfel des Gran Paradiso aufbrechen.

22.07.10., 11:00 Uhr,  Italien, Gran Paradiso, 4.061m
Diese Idee hatten wohl nicht nur wir allein. Auf der Autobahn am Brunnthal-Dreieck in München, Sonntag 17:00 Uhr ist weit weniger los als rund um die weiße Madonna auf dem höchsten Punkt Italiens. Passend zur italienischen Lebensart geht man hier laut, emotional und mit viel Körperkontakt zur Sache…den 5. Seven Summit haben wir uns mehr erschubst, als erklettert. Auf dem relativ flachen Zustieg am Gletscher noch kein Problem, aber bei der vereisten und ausgesetzten Felspassage eine im wahrsten Sinne „aufregende“ Sache. Doch das kann unser Gipfelglück nicht trüben, auch wenn uns der aufziehende Sturm keinen Eintrag ins Gipfelbuch erlaubt und wir schnell abseilen.

24.07.10, 10:00 Uhr, Zermatt, 1.705 m

So schön Zermatt auch ist…nach zwei Tagen Zwangspause wollen wir nur noch endlich starten auf den höchsten Berg der Schweiz. Auch wenn der Hüttenwirt der Monte Rosa Hütte uns für keinen Schlafplatz zusagen kann, versuchen wir es morgen trotzdem, denn das Wetterfenster soll nur sehr klein sein.

25.07.10, 16:00 Uhr, Monte-Rosa-Hütte, 2.795m

Ein Teil des längsten Aufstiegs aller Seven Summits liegt hinter uns. Mit der Gornergratbahn zur Riffelbergstation und weiter über den Gornergletscher liegt die brandneue neue Monte-Rosa-Hütte vor uns. Nur 100 Meter tiefer wartet ihre Vorgängerin auf den Abriss. Die „Neue“ empfängt uns vorbildlich in Komfort und Ökologie, hat aber leider kein Herz für Bergsteiger.
Gut zahlende Übernachtungsgäste bekommen Vorrang vor den Gipfelaspiranten. Erst nach ausgiebiger Konsumation bekommen auch wir ein Lager zugeteilt.

26.07.10, 11:30 Uhr, Dufourspitze, 4.634m

Unglaublich, auch der fünfte Seven Summit hat geklappt. Wir sind schon um 3.30 Uhr los, um die 1.800 Höhenmeter plus Abstieg an einem Tag zu schaffen. Der Aufstieg durch das „Steinlabyrinth und über den extrem verspalteten Gletscher im Dunkeln hatte es schon in sich. Der Weg über den Westsattel auf 50 Grad steilem Firngrat und durch anspruchsvolles Felsgelände macht die Dufourspitze zum schwierigsten Seven Summit. Jetzt genießen wir unsere Belohnung: Ein 360°-Blick auf die höchsten Berge der Schweiz. Hier dicht an dicht die meisten 4.000er der Alpen. Nach 2.200m Abstieg über die Nordflanke und den Silbersattel verweigern unsere Beine bei den 300m Gegenanstieg zur Gornergratbahn fast ihren Dienst. Einmal müssen die Knie noch halten!

27.07.10, 14:00 Uhr Chamonix, 1.030m
Wir sind heute nach Chamonix gefahren und wollen die nächsten zwei Tage nichts als schlafen, ausruhen, essen, ausruhen. Da stört uns der Schneefall nicht sonderlich. Noch nicht.

29.07.10, 20:00 Uhr, Gôuter-Hütte, 3.835m
In der Hochsaison nach 2 Tagen schlechten Wetters ein Lager auf der Gôuter-Hütte zu bekommen, ist so wahrscheinlich wie ein Deutsch sprechender Franzose. Wir hatten Glück und sind froh uns jetzt nicht mit anderen 50 Leuten in den Speiseraum schichten zu müssen. Noch mehr Glück hatten wir in der Steinschlagrinne und dem frisch verschneiten Felsgelände beim Hüttenanstieg, nach uns ist der Rettungshelikopter leider zweimal geflogen. Den höchsten Berg der Alpen darf man schon weit vor dem Gipfel nicht unterschätzen. Eine kurze Nacht bricht an.

30.07.10, 12:00 Uhr, Montblanc, 4.807m
Mit einem typisch französischem Hüttenfrühstück (leider kein Croissant, nur ein trockener Zwieback) im Bauch haben wir uns noch in der Nacht in die Spur zum Gipfel des Montblanc eingereiht. Die endlose Schlange zog sich über den Dôme de Gôuter steil zur Vallot-Hütte und ohne Pause auf den Bosses-Grat. Auf dem 30 cm schmalen Firngrat, über den der Wind heftig pfeift, wird Gegenverkehr zur Nervenprobe, vor allem, wenn dieser auch noch aggressiv russisch spricht. Doch auch das kann uns den letzten und höchsten Seven Summit nicht vermiesen! Die Gipfelumarmung ist kurz, aber heftig, die Freude über die gelungenen Besteigungen mit dieser Krönung am Schluss riesig.

Ein Dankeschön an: Den Wettergott (ein unglaubliches Teamwork), unsere Knie (entschuldigt, die wegen Zahnradbahnahnausfall 3.009m Abstieg am Montblanc waren nicht geplant!)und unsere Familien und Freunde (die nur schöne Bilder sehen, aber nicht mit durften).